IMI-Standpunkt 2026/004 - in: Friedensforum 1/2026

Rüstungsexporte der USA nach Deutschland

Die transatlantische Rüstungsachse unter den Regierungen Merz und Trump 2025ff

von: Tobias Pflüger | Veröffentlicht am: 14. Januar 2026

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Bundeskanzler Friedrich Merz sagt für die CDU/CSU/SPD-Bundesregierung, dass „alle finanziellen Mittel zur Verfügung“ gestellt werden sollen, „die die Bundeswehr braucht, um konventionell zur stärksten Armee Europas zu werden“. Rheinmetall-Chef Papperger plappert das nun nach. Es gibt das inzwischen „verplante“ 100 Milliarden Sondervermögen Bundeswehr und es gibt das zweite Paket, kurz nach der Bundestagswahl beschlossen mit CDU/CSU/SPD und Grünen, das Friedrich Merz angekündigt hat mit „Whatever it takes“, das Stück für Stück in den Militärhaushalt „eingepflegt“ werden soll. Dazu ist eine Aufstockung des bundesdeutschen Militärhaushaltes in den Jahren 2025 von 95,5 Mrd. auf sage und schreibe 176 Mrd. Euro (nach NATO-Kriterien) 2029 geplant.

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion schreibt: „Über die Jahre hinweg sollen bis 2029 rund 600 Milliarden Euro für die Verteidigung ausgegeben werden. Davon kommen 450 Milliarden aus der Sondererlaubnis für Rüstungsinvestitionen.“ Das Ganze ist eine gigantische Aufrüstungswelle, die dafür sorgen wird, dass im Jahr 2029 der Militärhaushalt über 30 % des Bundeshaushaltes ausmachen soll. Die NATO-BIP-Quote läge dann bei 3,56 %, so der Finanzplan 2025 bis 2029 zum Bundeshaushalt 2026.
Zugleich will die EU-Kommission, unter Ursula von der Leyen, 800 Mrd. für das Programm „ReArm Europe“ (sic!) (inzwischen umbenannt in „Readiness 2030“) aus den Mitgliedsstaaten und 150 Mrd. Euro aus der EU für Rüstungsausgaben mobilisieren, um die Europäische Union zur eigenständigen Militärmacht auszubauen, da auf die USA kein Verlass mehr sei. Deutschland und die EU sollen ganz schnell und mit Hunderten von Milliarden aufgerüstet werden gegen Russland (und China) und um unabhängig zu werden von den USA. Der allseits präsente Militärplauderer Carlo Masala sagt dazu: „Die USA werden auf absehbare Zeit kein verlässlicher Werte- und Interessenspartner sein.“ „Ein unabhängig souveränes Europa macht sich dann als Partner in solchen Fällen für die USA attraktiver.“

Importe aus den USA

Doch wie sollen nun die vereinbarten Hunderte von Milliarden für Rüstungsprojekte ausgegeben werden? Der Gros des Geldes fließt in enorm teure Großprojekte. Und nicht unwesentliche dieser Großprojekte werden aus den USA importiert! Mit dabei besonders der Kampfjet Lockheed Martin F-35A Lightning II und der Transporthubschrauber Boeing CH-47F Chinook. Die F-35 Kampfflugzeuge sind 2022 im Haushalts- und Verteidigungsausschuss des Bundestages mit 8,3 Milliarden Euro genehmigt worden. Davon sollten die Beschaffung der 35 Flugzeuge, der dazu gehörigen Munition und Logistik 7,6 Mrd. Euro kosten, die direkt in die USA vor allem an Lockheed Martin, aber auch Northern Grumman gehen sollen, und die 700 Mio. Euro schweren Umbaumaßnahmen in Büchel, dem Atomwaffenstandort, an dem die F-35 für die so genannte nukleare Teilhabe stationiert werden sollen. Allerdings sind die Umbaukosten von Büchel im Jahr 2025 schon auf über 2 Mrd. Euro explodiert. Es ist davon auszugehen, dass es auch bei der Beschaffung der F-35 noch zu enormen Kostensteigerungen auf bis zu 15 Mrd. Euro kommen wird. Offiziell sollen die F-35 in Büchel im Jahr 2030 bei der Bundeswehr in Büchel die US-Atomwaffen von den Tornados übernehmen, was sich sicher verzögern wird. Es handelt sich damit bei der Anschaffung der F-35 um den bisher größten Rüstungsimport Deutschlands aus den USA.

Interessant ist, dass beim Großauftrag der F-35A Kampfflugzeuge wiederum der am stärksten expandierende deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall beteiligt wird. Rheinmetall stellt seit 2025 beim Flughafen Weeze in Nordrhein-Westfalen Rumpfmittelteile für die F-35 her. Mit der 200 Millionen Euro teuren Rüstungsfabrik steigt Rheinmetall in den Luftfahrtbereich ein. Insgesamt wird Rheinmetall durch enorm viele Beschaffungsaufträge der Bundesregierung in allen möglichen und bisher für Rheinmetall unmöglichen Bereichen (Luftwaffe, Marine, Drohnen, Satelliten etc.) gerade zum größten deutschen Rüstungs-Global-Player auf dem weltweiten Aufrüstungsmarkt aufgebaut.

Der Rüstungsimport von 60 Transporthubschrauber CH-47F Chinook liegt auf Platz 2 der Rüstungsimporte aus den USA, die Gesamtkosten sind hier mit derzeit 7,2 Mrd. Euro veranschlagt, die an Boeing gehen werden. Darüber hinaus ist die Anschaffung von 720 Flugabwehrraketen PAC-3 MSE mit 5,3 Mrd. Euro noch im Milliarden Bereich geplant, ebenfalls von Lockheed Martin. Der Kauf von 506 FIM-92K Stinger Lenkflugkörper für ca. 400 Millionen Euro und von 48 Torpedos Mk 54 für 122 Millionen, beide von Raytheon, sind hier schon die mittleren Rüstungsprojekte.

Verflechtung der Rüstungsindustrien

Auch die Stationierung neuer Mittelstreckenraketen, die noch Olaf Scholz am Rande eines NATO-Gipfels mit US-Präsident Joe Biden vereinbart hatte, ist de facto ein Rüstungsimport aus den USA: Geplant ist nach wie vor die Stationierung von Tomahawk Marschflugkörper mit einer Reichweite von über 1.600 Kilometern und einer Geschwindigkeit von etwa 900 Stundenkilometern. Stationiert werden sollen auch eine Boden-Boden Version der SM-6 Standard-Rakete, diese kann wie die Tomahawk vom neuen Startgerät Typhon abgeschossen werden. Die aktuelle SM-6 Reichweite liegt unter 500 Kilometern. Allerdings soll eine neue Version mit einer Reichweite von rund 1.600 Kilometern bald einsatzfähig sein. Sie soll Hyperschallgeschwindigkeit erreichen, also schneller als 6.200 Kilometer pro Stunde fliegen. Als drittes sollen Dark Eagle Hyperschallwaffe stationiert werden, mit 17-facher Schallgeschwindigkeit.

Die Bundesregierung bemüht sich, herauszustellen, dass der Großteil der Hunderten von Milliarden des Sondervermögens und der erneuten „Whatever it takes“ Hundert-Milliarden an deutsche und europäische Rüstungsfirmen ginge. Offiziell gibt man zu, dass ca. 18 % des Gesamtvolumens der beiden Hundert-Milliarden Pakete an US-Firmen ging und geht. Allerdings sind die Rüstungsindustrien der USA und Deutschlands so eng miteinander verflochten, was sowohl (Teil-)Besitzverhältnisse betrifft als auch Unterauftragsvergaben, dass eine genaue Bezifferung eh sehr schwierig wird. Die Aussage von einer völligen US-Dominanz bei der Rüstungsindustrie als auch die Aussage einer völligen Unabhängigkeit der deutsch-europäischen Rüstungsindustrie sind somit jeweils ideologisch bedingte Aussagen, die keinerlei inhaltliche Substanz haben. De facto handelt es sich um eine transatlantische Rüstungsachse der Regierungen Merz und Trump.

Es lässt sich ein Trend feststellen: Zuerst wird von der Stange (nicht selten in den USA, aber nicht nur) gekauft und dann wird selbst europäisch-deutsch entwickelt und gekauft. So geschieht dies bei den Kampfflugzeugen, wo zuerst die F-35 angeschafft und dann das „europäische“ Kampfflugsystem FCAS entwickelt werden soll. (Mit allen Schwierigkeiten, eines Streits, ob es eine deutsche oder französische Führung geben soll). So ist es bei der geplanten Stationierung von Mittelstreckenraketen. Denn die US-Mittelstreckenraketen sollen ersetzt werden durch die europäische Entwicklung eines „Präzisionsschlagsystems“ ELSA (European Long-Range Strike Approach). Es geht um europäische bodengestützte Marschflugkörper mit Reichweite von 1.000 bis 2.000 km. So passiert es bei den großen Kampfdrohnen Heron TP, die zuerst von Israel geleast und gekauft werden, und dann wird die Eurodrohne entwickelt und bestellt. Die Hundert-Milliarden Steuergelder werden also meist verteilt an die verschiedenen Rüstungsindustrien in den USA und in der EU und Deutschland, verbraten mit einer klaren Tendenz weg von den US-Rüstungskonzernen hin zu europäisch-deutschen Rüstungskonzernen. Dieses Verbraten dieser Hundert-Milliarden Euro für Rüstung in der Bundesrepublik ist falsch, gegen diese enorme Aufrüstungswelle müssen wir mobil machen.